Laubengänge
Sanierung mit Mehrwert

Montag, 6. Februar 2017

Bauen im Bestand:  „Living streets – Comeback einer 50er Jahre Wohnanlage“

Modernisierung einer 50er Jahre Schlichtwohnanlage zu einer barrierefreien, altersgerechten Anlage mit zeitgemäßem Wohn- und hohem energetischen Standard (Kfw-70 Haus) unter der Prämisse, durch die Nutzung des Bestandes und der darin gespeicherten kumulierten Energie bezahlbaren Wohnraum für breite Schichten zu schaffen. Für den Umbau diente als Inspiration das von dem französischen Sozialreformer und Unternehmer Jean-Baptiste Godin 1841 gebaute "Familistere", ein gemeinschaftliches experimentelles Wohnprojekt. Drei an die Fabrik von Godin angrenzende vierstöckige Wohngebäude sollten mit ihren Laufgängen und glasüberdachten Innenhöfen das Miteinander der Bewohner fördern. Dieses revolutionäre Wohnprojekt des 19. Jahrhunderts gilt es in unsere Zeit zu transformieren:
Dies wird erreicht u.a. durch die Einführung eines neuen Erschließungssystems mittels von der Fassade abgerückten verglasten Laubengängen. So werden die ehemals 7 Treppenhäuser für 54 Wohnungen zu 2 Eingangsanlagen mit je einem Aufzug zusammengefasst. Dies ist eine besonders wirtschaftliche Lösung, was die Erstellungskosten und besonders auch die Reduzierung der Betriebskosten betrifft. Dieses neu entwickelte Laubengangsystem führt durch die ständige Begegnung der Menschen auf den kleinen „Straßen und Wegen“ zu einer Überwindung der Anonymität und Kontaktlosigkeit gerade älterer oder behinderter Menschen und ermöglicht nachbarschaftlich in der Stadt zu leben.

Die barrierefreien 54 Wohnungsgrundrisse (davon 12 rollstuhlgerecht) werden aus der bestehenden Grundrissstruktur der 50-er Jahre u.a. durch Zusammenlegungen weiterentwickelt. Die Grundrisse werden dabei sehr funktional und flächensparend geplant, um günstige Mietkonditionen anbieten zu können. Kontakt- und Ausweichmöglichkeiten bestehen dann durch einen kleinen intimen Gemeinschaftsraum, direkt zugänglich von den Laubengängen, den am Ende aufgeweiteten möblierten Laubengangflächen und einem aus den 50er- Jahren aufgearbeiteten Hofgebäude zu einem größeren Veranstaltungsraum für vielfältige gemeinsame Aktivitäten. Die Wohnungen werden barrierefrei über einen neuen Stichflur vom bestehenden Treppenhaus an die Laubengänge angeschlossen. Bäder und die Wohnküchen sind mit Blickkontakt zum Laubengang orientiert, Wohn- und Schlafräume zur ruhigen Garten- bzw. Balkonseite gelegt. Der komplett vom Verkehr befreite Innenhof wurde begrünt, die bestehenden Nebengebäude mit Grasdächern versehen, so dass eine geschützte grüne Oase entstanden ist. Die alten Treppengeländer, Terrazzobeläge, Glasbausteine, Fenster etc. wurden aufgearbeitet, energetisch aufgerüstet: Diese Art der Projektierung zeichnet sich durch eine sehr nachhaltige, ressourcenschonende Vorgehensweise aus.

 

Die gesamte Wohnanlage wird energetisch durch eine Hybridanlage bestehend aus einem Blockheizkraftwerk und einer PV-Anlage autark betrieben, d.h. Heizung, Warmwasser und Strom werden vor Ort erzeugt und den Mietern direkt ohne „Versorger“zur Verfügung gestellt.

 

Die Weiterentwicklung dieses innovativen Erschließungssystem hat ein großes Potential: sehr wirtschaftlich, kommunikativ, die Gemeinschaft sehr fördernd.

 

Architekt: Dipl.-Ing. Hans-Joachim Ewert mit der Planungsabteilung der Stäwog

Bauherr: Stäwog Bremerhaven

Ausführung Fassade: Lenderoth GmbH, Bremen

Glasfassaden-System: Aweso Scalo mono/duo

Foto-/Bildrechte: Bernd Perlbach

Kontakt: Aweso Systemtechnik GmbH

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